Milch

Milch oder keine Milch?!

 

Endlich ist es soweit! Der Kaninchenzüchter freut sich wie ein neuer Euro, dass endlich Nachwuchs sich einstellt. Sie hat ein gutes Nest gebaut. Sie hat die Jungen auch dort reingelegt. Wolle ist aufgetürmt, sie bewacht ihren Nachwuchs. 

Wir als ZüchterInnen kontrollieren, ob alles passt und die Babys sehen auf den ersten Blick sehr attraktiv aus. Nach einigen Tagen bemerken wir Unruhe im Nest. Wenn man die Wolle berührt, springen die Jungen aufgeregt herum und winseln. Die Häsin geht und säugt, aber sie werden nicht wirklich ruhiger. Es dauert ein wenig, dann kehrt Ruhe ein.

Die Ruhe kam aber nicht davon, dass die Jungen mit vollen, dicken Bäuchen nun im Nest liegen. Nuckeln ermüdet jedes Kind. Dabei ist kein Unterschied zwischen den Arten. 

Der Züchter ist noch nicht beunruhigt. Zwei Tage später, bei der nächsten Nestkontrolle, findet er aber etwas vor, womit er nicht gerechnet hatte, denn die Häsin hatte ja alles so toll gemacht.

 

Die Jungen sehen nicht so aus, wie sie sollten. Anstelle von dicken Bäuchen sieht man Knochen vorstehen und die Wirbelsäule tritt bereits hervor.  Die Jungen sind unterernährt. Jetzt ist plötzlich klar, wovon die Unruhe stammte.

 

Gründe für mangelnde Milchleistung gibt es viele. Einige werden hier erklärt, dabei sind aber noch weit mehr Möglichkeiten offen.

 

Die 1. Häsin

Eine "erste" Häsin, die zum ersten Mal jungt, ist noch nicht auf der Höchstleistung ihrer Milchsteigerung. Das legt sich mit dem 2. Wurf. Zufüttern von starken und kräftigendem Futter ist obligat. Dabei soll dringend auf Pellets mit hohem Eiweißgehalt verzichtet werden, denn wer will schon eine Häsin an Darmkolliken dann sterben sehen, obwohl man es ja nur gut meinte. In Jahrzehnte langer Erfahrung zeigte sich, dass Hafer und Fenchel die Milchproduktion stark positiv beeinflußen.  Fenchel wird als Tee gegeben. Hafer wird täglich gesteigert. Je nach Rasse (ich geh jetzt von mittelgroßen Tieren aus) steigert man von 50 auf 200 gr pro Tag in der Laktationsphase. Dazu wird hochwertiges Heu (späte erste Mahd oder 2. Mahd aus Biolandwirtschaft) ad libitum gegeben.

 

Schlecht vorbereitete Häsin

Die schlecht vorbereitete Häsin war vielleicht kurz vor dem Wurftag krank oder ist es immer noch. Ihr Unwohlsein begann erst nach der Hälfte der Tragzeit. Deshalb hat sie auch nicht mehr absorbiert. Die Jungen sehen bereits bei der Geburt ein wenig faltig aus. Vielleicht hatte sie auch zu viele Würfe innerhalb von kurzer Zeit, vielleicht ist sie voller Parasiten...es gibt also genügend Gründe, warum eine Häsin kurz vor der Geburt auf den Lebenserhaltungsmodus umschalten muss. Hier wäre das Wegnehmen der Jungen und deren Unterlegen bei einer Amme die beste Lösung. Falsche Sentimentalität (Oh mein Gott, man kann ihr doch nicht die Kinder wegnehmen) ist absolut fehl am Platz und passiert meistens nur unerfahrenen Züchterinnen. Die Häsin muss selbst überleben und sie wird unter Umständen ihre Jungen so oder so verstoßen. Der Heilprozess muss unverzüglich beginnen, da man sonst den Wurf und die Häsin verliert. Nach einer erfolgreichen Behandlung beginnt man mit dem Auffüttern. Hier lohnt es sich wenn man Bio-Lämmerfutter mit ganzem Hafer und Heu der 1. Mahd kombiniert. Das Lämmerfutter ist für ein vorsichtiges Anfüttern deswegen ideal, weil es leichter verdaut werden kann und im Eiweißgehalt nicht zu hoch ist. Lämmer sind wie Kaninchen sehr empfindlich im Darmbereich. Diätisches Kaninchenfutter kann man selten erwerben bzw. ist es mit Dingen angereichert, die man nicht im Kaninchen haben will.

 

 

Die schlechte Mutter

Es gibt Häsinnen gleich wie auch Menschen oder andere Lebewesen, die sind lausige Mütter. Es interessiert sich der Nachwuchs nicht. Sie urinieren auf das Nest, sind sofort wieder hitzig oder beißen die Jungen nach einigen Tagen erst tot. Wenn man alle klinischen Faktoren (Mangelernährung etc) ausgeschalten hat, dann muss man von diesem Tier Abschied nehmen. Alles Jungen dieser Häsin (wenn von Ammen oder per Hand aufgezogen) müssen aus der Zucht genommen werden. Schlechte Mütter kommen in den besten Familien vor. Oft ist es nur eine Ausnahme. Bei sehr strenger Linienzucht bzw. bei manchen Rassen scheint es aber schon an der Tagesordnung zu liegen, schlechte Mütter im Stall zu haben. Beruft man sich auf die Natur, muss diese Häsin wirklich ausgeschieden wären, denn sie handelt ihrer eigenen Daseinsberechtigung zu wider...hätten ihre Vorfahren das getan, wären Kaninchen lange ausgestorben. 

 

Die falsche Wahl der Häsin

Gerade in der Hobbyliebhaberzucht wird oft nach Sentimentalität und nach Farbe für die Zuchttierwahl entschieden. Das kann gut gehen, wird es aber auf Dauer nicht. Häsinnen müssen nicht nur nach der 3-F-Formel sortiert werden, sondern auch nach Muttereigenschaften. Sieht man beim ersten Wurf, dass die Häsin noch 6 Junge bei genügender Fütterung nicht gut aufziehen kann, muss man sie aus der Zucht nehmen. Gerade beim Rexkaninchen ist eine milchschwache Häsin katastrophal. Die Jungen sehen flockig und lockig aus. Die Unterwolle entwickelt sich nicht richtig. Die Defizite der Säugephase können nicht mehr aufgeholt werden. Neben einem Gallenentwicklungsfehler (ca. 70% der Rexkaninchen mit drahtigem, dünnen oder borstigem Haar) ist die fehlende Milch in der Jungtierphase der Grund für schlechtes Fell.

Schwache Jungtiere

Die Geburt war schwer, die Babys liegen entkräftet im Nest. Sie schaffen es kaum, die erste und wichtigste Milchmahlzeit aufzunehmen. Gründe für schwere Geburten gibt es unzählige. Normaler Weise erholen sich kleine Kaninchen sehr schnell von ihrem Abenteuer. Bekommen sie aber keine Chance Biestmilch zu trinken, werden sie zu Kümmerern und verwelken regelrecht. Schwache Jungtiere haben auch oft Geburtsdefekte, welche für den Züchter oft nicht erkennbar sind (unvollständiger Darm, fehlender Darm, verwachsene Organe, verschlossene Speiseröhren, geschlossener After, geschlossene Harnröhre...) diese Tiere verweigern das Trinken bzw. können sie nichts aufnehmen. Jungtiere mit mentalen Defekten (auch das gibt es z.B. durch Sauerstoffmangel) sind nicht fähig Zitzen zu finden bzw. können sich nicht ihren Geschwistern gegenüber durchsetzen. Es ist liegt in der Verantwortung der ZüchterInnen diese Tiere nicht sinnlos lange leiden zu lassen. 

 

Das ideale Baby

 

Zufallskreuzungen werden den Züchter nicht zum Ziel bringen. Das Führen genauer Aufzeichnungen ist verpflichtend, um ein korrekter Züchter und kein Vermehrer zu sein. Auch wenn man kein Ausstellungszüchter ist, sondern einfach das Hobby liebt, ist es unendlich wichtig, genau zu arbeiten und kein sinnloses Leid zu schaffen.

Die Arbeitstabelle wurde durch jahrelange eigene Forschung mit Einfluss der Erfahrungswerte und Richtlinien anderer erfolgreicher Züchter erstellt.

 

In diesem Sinne GUT ZUCHT!

 

 

 

 

 

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