Mikrosomie beim Zwergkaninchen

Mikrosomie

Mit den Jahren kamen einige Defekte und Probleme in der Zwergkaninchenzucht mehr und mehr ans Tageslicht. Während manche Züchter sich darüber weder den Kopf zerbrachen bzw. kein großes Drama veranstalteten, waren andere ganz mit ihren Nerven am Ende.

Fakt ist: nicht jeder Defekt ist ein vererbter Defekt  - manche Dinge sind Launen der Natur! 

Das sollte man sich vor Augen halten. Es ist wie beim Menschen und bei allen anderen Lebewesen, dass es immer wieder zu Dingen kommen kann, die man sich halt nicht wünscht oder nicht erwartet hat und doch passieren sie. Manches Mal muss man einfach Situationen und Probleme als gegeben annehmen und darf nicht gleich die Flinte ins Korn werfen.

Ein weiterer Defekt neben Hippo und Max ist bei Zwergkaninchen aller Arten (Farbenzwerge, Britannia Petit, Zwergwidder etc) die Mikrosomie. Durch die immer stärker werdenden Idee der Verzwergung in der Zucht der modernen Zwergrassen, welche sich unendlich von den Zwergrassen von vor 50 oder 100 Jahren unterscheiden, sind manche Stempeltiere (massiv die eigenen Eigenschaften vererbende Rammler) sehr populär in den Linien geworden. Außer dem Rammler "Max", nach welchem der Max-Faktor benannt wurde, blieben viele andere unbekannt und vorallem unbenannt. 

Die Mikrosomie ist eine Form der Kleinwüchsigkeit. Es gibt verschiedene Schweregrade und fast alle Tiere sind, im Gegensatz zur menschlichen Mikrosomie, auch geistig retardiert, schwachsinnig und lebensschwach. Es scheint festzustehen, dass es Linien gibt, in denen mehr Zwerge mit Symptomen der Mikrosomie geboren werden, als in anderen. Das entsprechende Allel kann, je nach dem welche Form der Mikrosomie vorliegt, von beiden Elternteilen stammen.  Erbanlagen.  Das geringe Körperwachstum wird durch eine Vielzahl von  angeborenen oder erworbenen Wachstumsstörungen begleitet.

 

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Formen der Mikrosomie. Bei anderen Tierarten wurde massiv darauf hingezüchtet (Dackel, Munchkin Katze,...), beim Kaninchen ist es absolut unerwünscht und da die betroffenen Tiere kaum das adulte Alter erreichen, wird es auch in der Zucht nicht verwendet.

 

Erscheinungsformen:

  1. geringes Wachstum der Extremitäten 
  2. großer Kopf, große Extremitäten, kleiner Körper 

 

Es ist jetzt nicht sinnig, ganze Linie gleich zu keulen, wenn man nicht weiß, wer der Träger ist. Da jegliche Form der Mikrosomie autosomal-dominant (es reicht, wenn ein Elternteil der Träger ist, um ein Merkmal zu ererben...beim Menschen z.B. Chorea Huntington..), ist durch Testverpaarungen herauszufinden, an wem es nun liegt. Ein weiteres Problem wird dabei aber die Liniezucht sein, da die meisten Tiere in einem Bestand mehr oder weniger mit einander verwandt sein.

Ist die Testverpaarung (ideal Vater x Tochter, Mutter x Sohn) positiv, so werden alle überlebenden Jungtiere aus diesem Wurf aus der Zucht genommen. Das gleiche gilt für das Elterntier, dessen Geschwister und Großeltern und jedem Tier, dass in direkter Blutsverwandtschaft steht. 

 

Hat man nun öfter Tiere mit Mikrosomie in den Nestern, sollte man seine Zucht dringend aussortieren. Oft werden Tiere zugekauft und deren Züchter wissen selbst nichts von den Problemen, die sie sich eingefangen haben. Darum darf man den Züchter nicht gleich verteufeln, sondern sollte behutsam miteinander und gemeinsam das Problem angehen. Jungtiere mit Mikrosomie sollten auf nicht aus eigennützigen Gründen aufgezogen sondern euthanasiert werden, da sie neben ihren Geschwistern keine Überlebenschance haben und durch viele weitere Defekte (Gaumenspalten, fehlende Speiseröhren) nur sinnlos durch Zwangsfütterung gequält werden.

Bildquellen PRIVAT

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