Dalmatiner Lotterie

Dalmatiner - ein Lottospiel

 

 

 

Seit ewigen Zeiten streiten sich die Kaninchenzüchter darum, wie denn der Dalmatiner entstanden sei. Fragt man erfolgreiche Dalmatinerzüchter höheren Alters, so hört man oft abenteuerliche Geschichten, was sie alles kreuzten, um das perfekte Tier zu erhalten. Natürlich wird das nicht offiziell debattiert, denn dann würde sofort eine große Diskussion zum Thema Rassezucht entstehen und dort wird und wurde ja "niemals" irgendwann gekreuzt :) 

Ein Teil der Züchter beharrt heute noch, dass es sich um die einfache Punktscheckung handelt. Die anderen Vertreter (zu denen auch ich gehöre) sagen, dass Holländer eingekreuzt wurden, um den Aalstrich los zubekommen. Der bleibt sonst am Tier kleben und vererbt sich äußerst starkt.

 

Wie sieht er nun der ideale Dalmatiner in europäischen Gefielden aus?

Der Körper soll am ganzen Körper mit nicht zusammenhängenden Punkten übersäht, die Ohren geflammt sein und es soll ein Punkt im Nasen/Maulbereich gut sichtbar sein. Die Punkte sollen je nach Größe des Tieres angepasst sein, aber nicht übermäßig groß und natürlich nicht winzig klein (Erbsenscheckung). Beim Standard Rex sind die Punkte maximal in der Größe eines Zweieurostückes und beim Klein- und auch beim Zwergrex entsprechend kleiner, da das sonst wieder hässlich aussieht. Und mindestens 5 Punkte pro Körperhälfte bräuchte man auch noch.

 

Die folgenden Bilder zeigen gleich, was auf keinen Fall vorkommen darf:

voller Schmetterling bzw. vollfarbige Ohren

 

Kettenbildung bzw so große zusammenhängende Flecken 

 

einseitige Punktverteilung, vollfarbige oder weiße Ohren....

 

In Summe ist der Dalmatiner also sehr schwer zu züchten und bei den Anforderungen musst man beide alten Scheckungstypen kombinieren, sonst wird man nie dorthin kommen. 

Beharrt man nun auf der Punktscheckentheorie, so hat man teilweise recht. Die beidseitige Anordnung der Punkte, kann nur durch die Gene des engl. Scheckenkaninchens erreicht werden (Deutsche Symbole k/K; Englische Symbole en/En). 

(Jungtier mit traumhafter Dalmatiner Zeichung und dem unerwünschten Aalstrich))

Leider bringen diese Tiere aber auch den Lethalfaktor in der reinerbigen Variante (Chaplin)  (siehe Butterfly/Schmetterlingsfaktor) und natürlich die S-Linie an der Seite und weil dem nicht genug ist auch noch den unerwünschten Aalstrich mit.

S-Linie der Punktschecken - ein Erbe der Englischen Schecken Kaninchen

Um das irgendwie loszubekommen wurden in der Vergangenheit beim Züchten der Rexe Englische Schecken, Holländer und Russen eingekreuzt. Bei letzteren ist mir bis heute nicht klar, warum das in Deutschland in den 60iger bis 90iger des 20. Jhdts so stark betrieben wurde.

Das der Holländer mitmischt ist heute wohl den meisten klar.

Hier zeigt sich der Holländer-RING neben einer angedeuteten S-Linie des Punktscheckens recht gut (Züchter: Baumgartner CH)

Das zeigt sich meist an der fehlenden Zeichnung auf der Schulter bzw. der heftigen Zeichnung am Schenkel, dem fehlenden Aalstrich und der aufgelösten Ohrenzeichnung.

Man erkennt gut, wo der Ring des Holländers wäre (auch am Kopf lässt sich die Blässe grob erkennen).

Bereits sehr schöne Auflösung der Ohrenzeichnung (Caldwell)

Die Auflösung des Holländers ist den meisten bekannt. Man kann das auch recht gut nachlesen. Dabei wird in Fachkreisen in Deutschland und Österreich (ich beharre auf den deutschen Sprachraum, denn andere Länder haben ganz andere Studien herausgebracht und kamen zu anderen Ergebnissen. Das soll hier aber nicht diskutiert werden. Man kann sich da selbst seinen Reim draufmachen...) von Defekten auf der Neuralrohleiste ausgegangen. Meist wird nur Hochstrasser zitiert, was in Anbetracht der internationalen Forschungen (welche leider im deutschen Sprachraum oft ignoriert werden)viel zu wenig ist. 

Wenn der Holländer überwiegt, sieht man das den kleinen Tieren sofort an. Beide Tiere wurden in Dalmatinernestern gefunden. 

 

Binky and Blossom Rabbitry                     Melvina Grosset

 Nest von C. Vogel alles im Nest, das irgendwie in die Dalimatinerzucht reinspielte - ein Lottogewinn für den, der mehr lernen will. 

Natürlich versuchte man noch ganz andere Varianten einzukreuzen, um auf das perfekte Ergebnis zu kommen. In letzter Zeit findet man unerkannt (das lässt mich wieder an der Preisrichterausbildung ein wenig zweifeln) Rhön-Mantelschecken als Dalmatiner deklariert und bewertet.

Dieses Tier wurde als Dalmatiner ausgestellt und positiv bewertet. Es ist aber eine Rhönschecke.

Je weniger an Genen der Plattenscheckung übrig ist, desto mehr lethale Chaplins befinden sich im Nest. Je höher der Anteil dieser Gene ist, desto mehr Holländer werden entdeckt, aber dafür hat man gesunde Weißlinge (siehe Bild unten). Diese werden aber wieder mit den kränklichen verwechselt. 

Hotot aus einer Dalmatinerlinie

 

Wie geht man nun vor, um das ideale Tier zu erzüchten?

Zuerst muss man natürlich dem Tierschutz genüge tun und sich entsprechendes Zuchtmaterial besorgen. Das bedeutet im idealen Fall 2. 4  zum Beginnen. Dazu hat es sich herausgestellt, dass man zwei ideal gezeichnete Häsinnen und einen einfarbigen Rammler verwendet, welcher wiederum aus einer wunderschön gezeichneten Mutter gefallen sein muss. Beide Teams sollten so aussehen und ihre Wurfgeschwister sollten idealer Weise einen starken Plattenscheckenanteil besitzen. Damit lösen wir nämlich den Aalstrich und die Ohrenzeichnung auf. 

Rhönschecke im schönen Dalmatinerkleid

Die meisten Züchter halten sich ein paar einfarbige "Alibi"-Tiere, da die Chancen der schlechten Zeichnung mit den vollfarbigen Tieren viel höher sind. Da der Tierschutz sich nur teilweise mit Genetik beschäftigt hat und viele Züchter ebensowenig Erfahrung haben, da es an wertvoller Literatur mangelt, dürfen Chaplins nicht mehr erzeugt werden. Vor allem der Neuzüchter ist relativ schnell mit seinem Latein am Ende, da er bei viel Glück einen guten Altzüchter ohne Sentimentalität an der Seite hat oder sich nur auf ein paar wenige Informationen in Büchern stützen kann.

 Fakt ist aber (wie oben erwähnt): bei hohem Plattenscheckenanteil sind meist viele gesunde Weißlinge im Nest. Würde man solche Tiere aber züchten dürfen und einsetzen können, so hätte man eine wunderbare Zucht im Stall: einfarbige Häsinnen x einem gesunden Chaplin Rammler gäben 100% Schecken in den Nestern, von denen die Vielzahl auch noch gut gezeichnet wäre...WÄRE.

Aus diesen Verpaarungen (oben genannte 2.4) sollte man dann den neuen Zuchtrammler wählen (einfarbig) mit den ideal gezeichneten Halbschwestern verpaaren. Das macht man auch mit dem anderen Team. Nun werden aus diesen Würfen die idealen gezeichneten Tiere gewählt (für Ausstellung bzw. für Weiterzucht) und man verpaart.

Wichtig ist: Die HÄSIN macht den Vorteil. Darum sollte man bei der Wahl der Zuchttiere den Rammler nur bedingt anschauen (Vater, Großvater) und sich dringend an die Mutterlinien halten!

Theoretisch hat man jetzt perfekte Dalmatiner. Die Natur entscheidet aber im Endeeffekt, wie sie die Gene anordnet und so bleibt das Dalmatinerzüchten auch in Zukunft neben viel Wissenschaft und guten Gefühl ein Lotteriespiel 

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