Hitze der Häsin

Hitze der Häsin

 

Viele Züchter arbeiten nach dem System „trail and error“, wenn es um das Belegen der Häsinnen geht. Sie wundern sich dann, dass die Häsin nicht aufnimmt, dass sie verwirft, dauerhitzig etc wird.

 

Grundinformation voraus: Die Häsin hat Brunstzyklen (Hitze) - der Eisprung wird aber durch den Nackenbiss während der Deckung ausgelöst. Ohne Beißen, ohne Deckung - KEIN Eisprung!

Die Dauerhitze kann hormonelle und organische Gründe haben. Hier will ich nun nur aufzeigen, wie man seine Tiere beobachten kann und termingerecht seine Würfe dann hat.

 

Natürlich muss man rassebedingt oft ein verschiedenes Belegalter bedenken. Fakt ist, dass unter 6 Monaten keine Häsin gedeckt werden sollte. Natürlich gibt es auch sehr frühreife Damen, die bereits das Gewicht erreicht haben oder auch auf die Geschwister schon aufreiten. Letzteres hat NICHTS mit Zuchtreife zu tun, sondern ist ein Dominanzverhalten.

 

Klein Rex Häsinnen nehmen am besten im Alter von 8 Monaten zum 1. Mal auf. Eine Häsin, die bis zum 2. Geburtstag nie gedeckt wurde, sollte danach auch nicht mehr zum Rammler. Der Grund ist ein einfacher, es wird zu großen Geburtsproblemen kommen, da die Schambeinfuge der Häsin sich kaum mehr dehnen kann (ist beim Menschen auch nicht viel anders).

 

Wenn man seine Häsinnen zeitgerecht in Hitze bringen will, kann man im Vorfeld schon ein paar Dinge erledigen.

 

  • Kraftfutter komplett weglassen, Futter reduzieren

  • nach einigen Tagen ganzen Hafer anbieten

  • mind. 12 Stunden Licht im Stall

  • Käfige der Häsinnen und der Rammler tauschen

  • bei Gehegehaltung: Häsinnen aus der Gruppe nehmen und umsetzen.

 

Wenn das Futter weniger wird (ohne dass das Tier hungern muss!), so sagt der Instinkt der Häsin „Um Gottes Willen wir werden aussterben“ und sie will sich vermehren. Die 12 Stunden Tageslicht gaukeln den Tieren Frühling und Sommer vor, der Duft der Rammler lässt die Hitze innerhalb von Tagen ausbrechen. Gehegehäsinnen sind durch die Gruppe oft abgelenkt bzw. nicht paarungswillig, da sie einen niedrigen Status haben und in der Natur ihnen die Vermehrung nicht geduldet würde.

 

Trotzdem kann es dann immer noch sein, dass die Häsin beim Rammler sitzt und kein Interesse an ihm zeigt. Es lohnt sich den Genitaltrakt des Tieres regelmäßig zu kontrollieren.

Geschlechtsreife Maidenhäsin (noch nie gedeckt) ca. 7 Tage vor dem nächsten Brustzyklus.

 

Bei Paarungsbereitschaft ist die Vulva geschwollen, stark durchblutet und intensiv gefärbt.

schmutzige, aber paarungsbreite Häsin in idealer Hitze

 

Ist die Vulva rosa, dauert es noch ein paar Tage.

Die Häsin auf dem Bild ist keine Maidenhäsin, nicht in Hitze und hat noch nie geboren.

 

Bei lila-grauer Färbung ist die Häsin von ihren Hormonen her bereits in einer Form von Scheinträchtigkeit. Sei lässt sich willig decken, wird aber kaum mehr aufnehmen. Zwei Wochen zu warten wäre vernünftig.

Scheinträchtig oder Häsin nach dem 12. Trächtigkeitstag

Unerfahrene Züchter setzen unter Umständen den Rammler zur Häsin. Das ist meist recht ungünstig, da Häsinnen sehr energisch ihr Territorium verteidigen. Die Häsin sollte also zum Rammler. Nach erfolgtem Deckakt nimmt man sie heraus, wartet einige Minuten und wiederholt dann die Deckung noch zwei Mal. 12 Stunden danach wird die Prozedur wiederholt und im Normalfall kann man von einer erfolgreichen Deckung dann ausgehen. Natürlich gibt es auch hier immer noch Faktoren, die jetzt an dieser Stelle nicht berücksichtigt werden, welche zu einem negativen Ergebnis führen.

kurz zuvor  gedeckte erste Häsin mit zerrissenem Hymen (rechts unten erkennbar)

Ein weiterer Unfug ist das Belassen der Häsin beim Rammler für mehrere Tage. Mit großer Wahrscheinlichkeit nehmen diese Tiere nicht auf, paaren sich täglich mehrfach mit dem Rammler – oft über Wochen hin. Einerseits hat man keine Gewissheit, wann die Tiere geboren werden sollte und andererseits steht die Häsin unter Dauerstress durch den Rammler und blockiert sich selbst.

 

Am 12. Tag nach der Verpaarung kann der erfahrene Züchter bereits die Walnuss große Jungtierhöhle in den beiden Uterihörnern gut ertasten. Unerfahrene Züchter oder Anfängern wird davon abgeraten, an der Häsin herumzudrücken, da man mehr Schaden anrichten kann. Ab dem 12. Tag lassen sich aber auch viele Häsinnen TROTZ Trächtigkeit decken. Baut die Häsin in dieser Zeit aber bereits ein Nest oder rupft Wolle aus, ist sie definitiv scheinträchtig.  

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